Gastbeitrag von Sven Lehmkuhl

Selbstbestimmte und ausgewogene Lebensführung (Teil 6)

Manchmal erledigen sich persönliche Themen ganz von selbst. Manchmal muss man sich aufraffen und die nötigen Dinge anpacken. Doch es gibt auch die weniger klaren Fälle. Eigene Wünsche und Sehnsüchte, die sich im alltäglichen Rhythmus gewohnter Handlungen einfach nicht manifestieren wollen.

So wenig (be)greifbar, z.B. weil die Klarheit der Handlungsschritte fehlt oder irgendwie eine unsichtbare Barriere zwischen Hirn und Hand die Umsetzung sabotiert. Und Handeln kommt nun mal von Hand.

Leitfrage: Wie bekomme ich innere Klarheit und entwickle die Entschlossenheit, beharrlich meinen Lebensweg zu gestalten und Handlungen auszuführen, die mich meinem Herzensziel näherbringen?

Genau darum geht es in dieser Grundlagen-Serie zur Selbstentwicklung, deren zentrales Thema das Zusammenspiel unbewusster und bewusster Anteile der Persönlichkeit ist.

Im abschließenden Beitrag wird der Rubikon-Prozess nach dem Zürcher Ressourcen Modell (Maja Storch, Frank Krause) skizziert, der sowohl die Persönlichkeit in ihrer Gesamtheit berücksichtigt als auch der alltäglichen Lebenspraxis gerecht wird. 

Die Kraft der inneren Haltung

„Stimmst du mit dem Weg überein, durchströmt dich seine Kraft.“
Lao-Tse

Das Zitat beschreibt treffend die Funktion sogenannter Motto-Ziele für die eigene, selbstbestimmte Lebensweg-Gestaltung, denn sie wirken auf der Ebene der inneren Haltung (siehe auch Teil 5 – Motto-Ziele – Vom Wunsch zur Handlung).

Für die Gesamtpersönlichkeit stimmige Motto-Ziele aktivieren innere Ressourcen für die Willensbahnung und Umsetzung zielführender Handlungen. An den eigenen Absichten wird dann auch bei auftretenden Problemen, z.B. unerwünschten Gewohnheiten (Automatismen), festgehalten und zwar kraftvoller und stressfreier als unter energieraubender Selbstkontrolle.

Wirksame Motto-Ziele:

  • Synchronisieren unbewusste Bedürfnisse und bewusste Motive
  • Überwinden innere Hemmschwellen
  • Aktivieren innere Ressourcen
  • Befeuern die intrinsische Motivation und Handlungskraft
  • Fördern Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit.

Die Zusammenhänge werden durch die unten abgebildete Grafik verdeutlicht.

Die Rubikon-Prozess-Landschaft
Nicht nur die Leser der Asterix & Obelix Comics dürften den Ausspruch „Alea iacta est“ schon mal gehört haben. Er bedeutet soviel wie „Die Würfel sind gefallen“. Eben diese wurden im besagten Comic im Zusammenhang mit Julius Caesar bildlich dargestellt. Ohne ausführlichen Rückgriff auf die Historie der Rubikon-Überquerung (10. Januar 49 v. Chr.), ist damit die Entschlossenheit gemeint, sich einer Sache ganz zu verschreiben, ohne wenn und aber. Auch wenn die Konsequenzen nicht gänzlich absehbar oder die Herausforderungen enorm sind. Das beinhaltet eine starke Selbstverpflichtung und Eigenverantwortung (auf neudeutsch Commitment).

Das geschichtliche Ereignis war Namensgeber für das motivationspsychologische Rubikon-Modell der Handlungsphasen. Es beschreibt das menschliche Handeln als natürliche Abfolge von Vorgängen der Zielsetzung und Zielrealisierung. Im ursprünglichen Modell wurde das Feld der unbewussten Bedürfnisse nicht ausdrücklich einbezogen. Aus heutiger Sicht der modernen Neurowissenschaften ist es jedoch von entscheidender Bedeutung. Liegen doch im Unbewussten die Quellen für Motivkonflikte.

Genau hier setzt die Entwicklung von Motto-Zielen an. Unbewusste Bedürfnisse und bewusste Motive (Wünsche, Ziele) in Einklang zu bringen und eine kraftvolle Intention (Absicht) auf Basis der neuen inneren Haltung zu bilden.

Wenn beim Vorgang der Absichtsbildung und Abwägung die Bewertungen des Unbewussten (Gefühl) und des Verstandes übereinstimmen, gelingt der Gang über den Rubikon. Hier ist damit die Überwindung des inneren Rubikon, der psychischen Hemmschwellen gemeint. Das ist ein Gefühl, das mit jeder Faser des Körpers signalisiert „Ja, das ist es!“
Die Rubikon-Landschaft der Selbstentwicklung
Die Intention wirkt im Hier & Jetzt und hilft mit der zu Grunde liegenden inneren Haltung, die Rubikon-Landschaft (immer wieder) zu durchlaufen, um das zukünftige Ziel zu erreichen. Das ist ein Lernprozess durch tägliche Erfahrungen und Reflexionen. Zu beachten ist, die neue innere Haltung ist noch ein zartes Pflänzchen, das der Pflege bedarf.

In der Praxis bedeutet das systematisches Training anhand realer, herausfordernder Situationen. Um auch gegen hartnäckige Automatismen gefeit zu sein, die nicht mehr hilfreich sind. Damit neurobiologisch betrachtet ein robustes neuronales Netz entsteht und hilfreiche innere Ressourcen im Bedarfsfall automatisch aktiviert werden.

Zusammenfassung
Die Rubikon-Landschaft ist trotz aller Struktur vor allem auch ein kreatives Feld tiefer Einsichten, geprägt durch Erfahrungslernen und Selbstentwicklung. Hier haben, je nach individueller Situation, unterschiedliche Maßnahmen ihren Platz. Die Entwickler des Zürcher Ressourcen Modells legen viel Wert auf die einfache Übertragbarkeit und Integration des Ansatzes in die tägliche Lebenspraxis. Ideal für Menschen, die ihre Lebensweg-Gestaltung aktiv und selbstbestimmt in eigene Hände nehmen möchten.

Workshop Selbstkompetenz: Am 18.01.2019 besteht die nächste Möglichkeit, die Werkzeuge der Selbstentwicklung näher kennen zu lernen und praktisch zu erproben – in einem 3-stündigen Impuls-Workshop in der Naturheilpraxis Maike Hoyer. mehr erfahren >


Diese Beitragsserie zur Selbstentwicklung fußt auf den Forschungen von Julius Kuhl (PSI-Theorie) und ist maßgeblich inspiriert von den großartigen Ideen und Erfindungen der Psychologin Maja Storch (Zürcher Ressourcen Modell).

Weitere Teile:
Teil 1 Selbstentwicklung – Kraft aus sich selbst schöpfen
Teil 2 Selbstregulation von Gefühlen
Teil 3 Selbstwachstum ist Erfahrungslernen
Teil 4 Innere Ressourcen und das Unbewusste
Teil 5 Motto-Ziele – Vom Wunsch zur Handlung


Sven Lehmkuhl

Coach für gesunde und agile Selbstführung, Am Fesenfeld 2, 28816 Stuhr

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