Gastbeitrag von Sven Lehmkuhl

Selbstbestimmte und ausgewogene Lebensführung (Teil 4)

Leitfrage: Wie kann ich das Vertrauen in meine eigenen Stärken und Potenziale auf dem mit Herausforderungen gespickten Weg der Verwirklichung meiner Wünsche und Sehnsüchte fördern?

Handlungen, Veränderungen und Gefühle
Unser Alltag besticht durch vielfältige Anforderungen in verschiedenen Lebensbereichen. Zumeist bewegen wir uns beruflich und privat in wiederkehrenden Situationen und Abläufen. In diesen bekannten Mustern haben wir es uns recht bequem eingerichtet – und funktionieren.

Psychisch wohl fühlen wir uns, wenn die Anforderungen und unsere individuellen Stärken optimal zueinander passen. Dann erleben wir Flow-Erlebnisse. Unsere Energie fließt, weil wir Zugang zu unserem Kraftpotenzial haben – unseren inneren Ressourcen. Mit anderen Worten: Das Zusammenwirken von Bedürfnissen, Werten, Gefühlen, Gedanken und Absichten drückt sich in Handlungen aus, die wir als sinnhaft und erfüllend empfinden. Es fühlt sich rundum stimmig an.

Eine dauerhafte Unterforderung oder Überforderung erhöht dagegen unser Stressempfinden, verbunden mit negativen Gefühlen, die sich als (Ver-)Spannungen und Druck im Körper bemerkbar machen. Auch mit eiserner Selbstkontrolle können wir langfristig unseren inneren Gefühlszustand nicht verbergen oder unterdrücken.

Das Schlüsselwort lautet Gefühle. Wenn wir ein diffuses oder auch konkretes Gefühl darüber wahrnehmen, dass sich Unwohlsein oder Unzufriedenheit in uns ausbreitet, werden wir offener für Veränderungen. Sehnsüchte, Wünsche und Ziele reifen in unserem Bewusstsein.

Doch wie die alljährlichen guten Vorsätze zum Jahreswechsel zeigen: Solange Veränderungen nicht durch einschneidende Ereignisse, z.B. Krankheit, erzwungen werden, fallen uns Veränderungen in unserem Verhalten per Stichtag in der Regel schwer. Die Gewohnheiten haben uns im Griff.

Gute Vorsätze und Willensbahnung
Jeder kennt sie wohl, die Vorsätze, im neuen Jahr mehr Sport zu machen, mit Rauchen aufzuhören, sich gesünder zu ernähren, mit dem Partner mehr zu unternehmen und einiges mehr. Bekannt ist aber auch der Ausspruch, dass gute Vorsätze einem Rennen gleichen, dessen Startschuss niemals fällt.

Oder die Bemühungen werden nach den ersten Rückschlägen frühzeitig wieder eingestellt. Das Zurückfallen in das alte Verhaltensmuster ist nur menschlich, jedoch auch frustrierend. Die Motivation und Willensstärke für die beabsichtigte Verhaltensänderung reicht nicht aus.

Häufig ist zu hören, die guten Vorsätze seien zu allgemein bzw. unspezifisch formuliert und daher könnte kein konkreter Plan gefasst und umgesetzt werden. Allerdings sind auch die konkretesten Zielformulierungen noch keine Garantie für die Zielerreichung.

Die motivationspsychologische Forschung untermauert mit Erkenntnissen der Neurobiologie bringt es auf den Punkt:

Negative Gefühle bringen zum Nachdenken und schaffen Handlungsbereitschaft. Willensbahnung, also die tatsächliche Umsetzung der Absichten, braucht jedoch (starke) positive Gefühle.

Den guten Vorsätzen fehlt es zumeist an emotionaler Attraktivität und Handlungskraft. Sie berühren uns nicht wirklich.

Die neurobiologische Wende
Die Dominanz des bewussten Verstandes über das Unbewusste und die Gefühle galt lange Zeit im Berufsleben, aber auch in der Wissenschaft, als Bezugsgröße für Entscheidungen des vernünftig und logisch handelnden Menschen. Durch die neurobiologische Wende hat sich der Stellenwert des Unbewussten sowie der Gefühle und des Körpers maßgeblich erhöht.

Nicht Selbstkontrolle, sondern Selbstregulation, also der aktive Umgang mit Gefühlen zur Aktivierung innerer Ressourcen, wird nunmehr als Schlüsselkompetenz für die persönliche Entwicklung und erfolgreiches Handeln betrachtet. Aus neurobiologischer Sicht gilt als Ressource alles, was gemessen an der bezweckten Handlung nützliche neuronale Netze im Gehirn aktiviert. Praktisch bedeutet das, alte Verhaltensmuster zu verlernen und neue Verhaltensweisen zu lernen durch wiederholte Aktivierung neuer neuronaler Netze.

Dieses neue neuronale Netz (assoziatives Netzwerk) muss trainiert werden, damit Handlungsbereitschaft und Willensbahnung aktiviert werden und sich neue hilfreiche Verhaltensweisen zur Gewohnheit entwickeln können. Voraussetzung ist, dass die damit verbundenen Handlungserfahrungen bedeutsam genug für das eigene Erleben sind, um im körperlich-emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert zu werden. Das ist unsere Schatzkammer, die innere Kraftquelle zur Aktivierung innerer Ressourcen.

Unbewusstes durch Bilder begreifbar machen
Aus der Psychologie ist bekannt, dass unbewusste Anteile unserer Persönlichkeit über Projektionsvorgänge erfahrbar werden. Und genau dafür eignen sich Bilder hervorragend. An jedem Wort hängt ein Bild, hängt ein Gefühl.

In Workshops oder Coachings nutze ich dafür gerne die ZRM-Bildkartei (Zürcher Ressourcen Modell). Die dort enthaltenen Bilder sind in der Motivauswahl ausgewogen und fein abgestimmt auf die Erzeugung starker positiver Gefühle. Darauf basiert die Auswahl eines Bildes, indem das Signalsystem zwischen Körper und Geist, die sogenannten „somatischen Marker“, die vom Menschen als Körperempfindung und/oder als Emotion wahrgenommen werden, genutzt wird. Diese wahrzunehmen und auszudrücken ist der erste Schritt, um Unbewusstes für den Verstand verständlich zu machen.

Die Klärung, was in einem los ist und was benötigt wird, ist die Grundlage für den weiteren lösungsorientierten und ressourcevollen Prozess. Wenn es darum geht, unbewusste Bedürfnisse und bewusste Ziele in Einklang zu bringen, Entschlossenheit und Handlungskraft zu entwickeln durch eine zielförderliche innere Haltung (Stichwort: Motto-Ziele).

Praxis – Workshops Selbstkompetenz: Am 19.10.2018 und 23.11.2018 besteht die Möglichkeit, die Thematik näher kennen zu lernen und praktisch zu erproben – in jeweils 3-stündigen Impuls-Workshops in der Naturheilpraxis Maike Hoyer. mehr erfahren >


Diese Beitragsserie zur Selbstentwicklung fußt auf den Forschungen von Julius Kuhl (PSI-Theorie) und ist maßgeblich inspiriert von den großartigen Ideen und Erfindungen der Psychologin Maja Storch (Zürcher Ressourcen Modell).

Teil 5 erscheint am 15.11.2018 und befasst sich mit Motto-Zielen und den motivationspsychologischen Grundlagen zur Umsetzung selbst gewollter Absichten. jetzt lesen >

Weitere Teile:
Teil 1 Selbstentwicklung – Kraft aus sich selbst schöpfen
Teil 2 Selbstregulation von Gefühlen
Teil 3 Selbstwachstum ist Erfahrungslernen


Sven Lehmkuhl

Coach für gesunde und agile Selbstführung, Am Fesenfeld 2, 28816 Stuhr

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